Rückblick – Ausblick – Umblick

Gedankenimpulse von Corinna Fleckenstein
31. Dezember 2020

Das alte Jahr geht zu Ende, das neue Jahr kündigt sich an. Für viele Menschen ein Tag, an welchem Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken und sich für das neue Jahr Dinge vornehmen. Doch was hat es mit dem Rück- und Ausblick auf sich? Warum ausgerechnet an diesem Tag? Am 31. Dezember?

Es hat Tradition hier im europäischen Raum. Ein Abschluss. Ein Ende. Ein Abschied. Ein Start. Ein Neubeginn. Ein Willkommen.

Jeder Tag funktioniert genau so. Jede Jahreszeit. Jedes Leben. Es ist ein Kreislauf, der sich in der Natur, in der Zeit, im Leben immer wiederholt. Es geht um loslassen, festhalten, wachsen, entwickeln. Genauso geht es um verzeihen – sich selbst, anderen und damit einen Neubeginn wagen mit den Erfahrungen, die man gemacht hat.

Viele Wünsche werden heute über soziale Medien in Umlauf gebracht, oft in der Form: „Auf dass das neue Jahr besser wird“, oder „es kann nur besser werden“. 2020 wird als ein schlechtes Jahr zurückgelassen, da auf manches verzichtet werden musste, da einiges verloren ging, da das Virus unser Leben eingeschränkt hat. Aber haben wir wirklich nur verloren, verzichtet und mussten uns einschränken? Haben wir nicht auch gewonnen, bekommen und konnten uns persönlich weiterentwickeln?

Statt einem Rück- und Ausblick und dadurch einen Vergleich aufzustellen, wäre ein Umblick im Sinne von „Um-Blick“ eine Möglichkeit, den Jahreswechsel nicht als Abschied und Neubeginn aufzufassen, sondern als Ein-Blick in das innere Erleben und Fühlen. Was hat mir persönlich geholfen in diesem besonderen Jahr 2020? Welche Menschen waren mir nah? Welche Ressourcen haben mir geholfen, persönliche Krisen zu meistern? Was habe ich für mich persönlich gelernt und hat mich gestärkt? Auf was kann ich stolz sein? Welche positiven Gefühle kann ich mit einzelnen Momenten in 2020 verbinden? Und genau mit diesen Momenten und mit diesen Stärken und Ressourcen wird das neue Jahr kein neues Jahr in dem man sich Dinge vornimmt, sondern es wird das neue Jahr, in das wir diese Dinge bereits mitnehmen, die uns weiterentwickelt haben, die bereits vorhanden sind und die nicht los- oder zurückgelassen werden müssen – nein, sie dürfen bleiben, in unseren Gedanken, im Herzen, im Handeln.

Ein schönes Ritual, statt den bösen Geistern mit Böllern und Raketen den Garaus zu machen ist es, seine positiven Erlebnisse festzuhalten. Zum Beispiel in einem Einmachglas, in dem diese Momente mit kleinen Zetteln festgehalten werden. So wird 2020 nicht einfach endlich abgeschlossen sein, sondern 2020 hat wahrlich auch positive Momente und Erlebnisse gehabt, und die gilt es zu bewahren, zu teilen und zu schätzen.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern, Klienten, Kollegen, Nachbarn, Freunden, meiner Familie und den vielen besonderen Menschen in meinem Leben einen positiven Umblick und einen zufriedenen Abend.

Corinna Fleckenstein